Versteckte Dopingfallen

Um nicht das Risiko einzugehen, durch unbedarfte Ernährungsgewohnheiten oder ein fahrlässiges Verhalten im Alltag in eine versteckte Dopingfalle zu tappen, sollten Sportler sich jederzeit bewusst sein, dass sie die Konsequenzen für einen positiven Dopingbefund übernehmen müssen. Egal, ob sich die Sportler eines Dopingvergehens überhaupt bewusst sind! 

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Gefahren des unwissentlichen Dopings

Nahrungsergänzungsmittel

Als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet man Lebensmittel, die dazu bestimmt sind, die allgemeine Ernährung zu ergänzen, und eine ernährungsspezifische oder physiologische Wirkung haben. Das können Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, Aminosäuren, Proteine, aber auch Ballaststoffe, Pflanzen- oder Kräuterextrakte sein. Das Angebotsspektrum an Nahrungsergänzungsmitteln ist extrem groß. Eine hohe Zahl von Sportlern, insbesondere im Spitzensport, nimmt diese Nahrungszusätze ein, um den erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf decken zu können. 

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Nahrungsergänzungsmittel werden (in der Regel) in Form von Tabletten, Flüssigkeiten, Kapseln oder Pulver eingenommen. Dennoch stellen sie keine Arznei und kein Medikament dar, sondern Lebensmittel, die die normale Ernährung ergänzen. Doch gerade für Sportler, die den Anti-Doping-Bestimmungen unterliegen, ist höchste Vorsicht geboten, denn die Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln kann zu einem unwissentlichen und nicht beabsichtigten Dopingbefund führen. Nicht selten sind Nahrungsergänzungsmittel nämlich mit dopingrelevanten Substanzen kontaminiert. Das bedeutet, dass diese Mittel verunreinigt sind, sei es durch Abfüllprozesse, nicht auf der Verpackung aufgeführte Substanzen oder schlichtweg durch bewusste Fälschungen. Zudem sind die Herstellungskriterien nicht annähernd vergleichbar mit denen von Arzneien – eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Laut WADA werden immer wieder Präparate gefunden, die für Sportler verbotene Substanzen wie Steroidhormone oder deren Vorläufer beinhalten. 

Die Konsequenzen können folgenreich sein: Durch die Einnahme von kontaminierten Nahrungsergänzungsmitteln können Urinproben zu einem positiven Dopingbefund führen. Nach den Anti-Doping-Bestimmungen ist damit automatisch der Tatbestand des Dopings erfüllt („Strict Liability“-Prinzip). 

Vor dem Konsum eines Nahrungsergänzungsmittels muss das entsprechende Produkt von einer unabhängigen Institution auf die Existenz unerlaubter Substanzen getestet worden sein. Eine Selbstauskunft des Herstellers zur Produktreinheit sollte für jeden Sportler die Mindestanforderung sein. Diese Maßnahmen können das Dopingrisiko von Nahrungsergänzungsmitteln senken. Die Verantwortung und die möglichen Folgen sollten Sportler aber nicht außer Acht lassen. 

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Eine vom IOC geförderte internationale Studie des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln hat gezeigt, dass etwa 15 % der in 13 verschiedenen Ländern erworbenen Nahrungsergänzungsmittel Anabolika (hauptsächlich Prohormone) enthielten, die nicht auf der Packung angegeben waren. Bei den Anabolika handelt es sich wahrscheinlich um Verunreinigungen, die keinen Dopingeffekt haben, aber unabsichtlich zu positiven Dopingbefunden führen können. Eine ähnlich angelegte Untersuchung aus Österreich untermauert die Ergebnisse. Aktuell führt das Institut für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln im Auftrag der WADA eine Folgestudie durch.  

Definition Nahrungsergänzungsmittel:

Im EU-Recht sind Nahrungsergänzungsmittel durch die Richtlinie 2002/46/EG geregelt. Dabei sind insbesondere die zulässigen Mineralstoffe und Vitamine vorgegeben. In der hierauf basierenden Nahrungsergänzungsmittelverordnung ist ein Nahrungsergänzungsmittel 

„ein Lebensmittel, das dazu bestimmt ist, die allgemeine Ernährung zu ergänzen, ein Konzentrat von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung allein oder in Zusammensetzung darstellt und in dosierter Form, insbesondere in Form von Kapseln, Pastillen, Tabletten, Pillen und anderen ähnlichen Darreichungsformen, Pulverbeuteln, Flüssigampullen, Flaschen mit Tropfeinsätzen und ähnlichen Darreichungsformen von Flüssigkeiten und Pulvern zur Aufnahme in abgemessenen kleinen Mengen, in den Verkehr gebracht wird.“

Medikamente

Es gibt Arzneien, Medikamente und homöopathische Mittel, die jeder Sportler auch ohne Rezept zum Beispiel in der Apotheke kaufen und vermeintlich ohne Bedenken einnehmen kann. Doch das ist nicht der Fall: Selbst auf den ersten Blick harmlose Medikamente können Substanzen enthalten, die gegen die Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen. Auch bei Erkältungen, leichten Kopfschmerzen, Übelkeit oder Allergien sollte zur Sicherheit bei einer möglichen Medikamenteneinnahme Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden. Nur so kann Doping ausgeschlossen werden. 

Cannabinoide  

Der Konsum von Cannabis (außerhalb von sportlichen Wettkämpfen) ist nicht in allen Ländern verboten. Zudem ist der Einsatz von Cannabinoiden (Marihuana, Haschisch) vor allem im Leistungssport nicht zwangsläufig leistungsfördernd, weil Cannabis eine eher beruhigende, entspannende Wirkung hat und so den sportlichen Ehrgeiz tendenziell vermindert. Trotzdem ist Cannabis während des Wettkampfs verboten, da es einerseits beruhigend wirken kann und andererseits die Wahrnehmung so beeinflusst, dass es enthemmend wirkt und der Sportler bereit ist, ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. 

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Die WADA hat den Grenzwert für THC-Carbonsäure auf 150 Nanogramm pro Milliliter festgelegt. Da der Konsum von Cannabis nur am Wettkampftag verboten ist, ist dieser Grenzwert ausreichend, um eine dopingrelevante Anwendung von THC am Wettkampftag nachweisen zu können. Trotzdem birgt der Cannabiskonsum auch in der Freizeit eine große Dopinggefährdung: Der Körper speichert das Tetrahydrocannabinol (THC) – der Wirkstoff ist wochenlang nachweisbar. 

Lebensmittel im Alltag  

Es können auch ganz normale Speisen oder Getränke nach Verzehr zu einer positiven Dopingkontrolle führen, weil sie verbotene Substanzen enthalten. Das wohl bekannteste Beispiel ist Mohn: Die Samen enthalten Spuren von Morphin, einer Substanz, die auf der WADA-Verbotsliste zu finden ist. Je nach Mohnsamen und der zugeführten Menge kann es in extremen Ausnahmefällen zu erhöhten Morphinkonzentrationen kommen und damit zu einem positiven Dopingtest. 

Ein weiteres Beispiel sind asiatische Kräutertees: Meerträubel (Ephedra) ist eine Heilpflanze, die in der traditionellen chinesischen Medizin gegen Erkältungen angewendet wird. Allerdings kann das enthaltene Ephedrin ebenfalls zu einem positiven Dopingbefund führen, da dieses Stimulans ebenfalls verboten ist.